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am 03.01.2018

Stimmen zur Absage in Oberstdorf

Hanna Kolb

Nach der Absage des Sprint-Wettbewerbs nahmen Betreuer und Athleten zur Jury-Entscheidung Stellung

Andreas Schlütter, Sportlicher Leiter:
„Ich kann mich nur an ein Rennen in Düsseldorf vor etlichen Jahren erinnern. Da kam auch eine Böe vom Rhein reingezogen und man musste das Rennen absagen. Es war einfach zu gefährlich. So wie heute hier auch. Die Entscheidung der Jury war definitiv richtig. Es ist sehr schade für die Sprinterinnen, gerade der dritte Platz von Sandra Ringwald nach dem Prolog. Ich denke, die Tour geht ganz normal weiter – ohne das heutige Ergebnis. Nichtsdestotrotz wollen wir beim DOSB beantragen, dass Hanna Kolb mit ihrem zwölften Platz heute die Olympia-Norm erfüllt hat.“
 
Torstein Drivenes, Damen-Cheftrainer DSV:
„Ja, die Entscheidung, die Rennen abzubrechen war richtig. Da hinten sind Bäume auf die Strecke gefallen, das ist lebensgefährlich. Ich habe so etwas in meinem Leben noch nicht gesehen. Das war Wahnsinn. Und für unser Team ist das noch dazu absolut bitter und schwer zu akzeptieren, dass auch dieser Frauen-Prolog nicht zählen soll. Wir sind in einer guten Form. Die Steffi Böhler hat erstmals einen Prolog überstanden, eine Sandra Ringwald hatte die Chance, heute ihr erstes Podium zu holen. Das ist echt bitter.“
 
Hanna Kolb:
„Normal geht Langlauf immer. Aber jetzt wird es glaub ich echt gefährlich. Ich hab keine banden rumfliegen sehen, aber gehört, dass Bäume umgeknickt sind. Ich hatte noch Glück im Prolog, nach dem Start ging es mal richtig zur Sache, aber in meinen drei Minuten war es schon einigermaßen okay. Es war nass, aber nicht gar so schlimm.
Bin gespannt, ob das Prolog-Ergebnis wirklich gar nicht zählt. Unsere Trainer haben gesagt, dass sie bei der Jury darum kämpfen wollen, weil es wohl eine FIS-Regel gibt, wonach so ein Ergebnis auch zählen kann.  Für mich wäre das natürlich genial, weil  ich dann die Olympia-Quali in der Tasche hätte und Sandra auf dem Podium wäre. Jetzt mal abwarten. Ich habe so einen Wettkampf jedenfalls noch nie miterlebt, wo der Wind den Wettkampf so beeinflusst. Ich weiß nur, dass hier in Oberstdorf beim Orkan  Kyrill auch mal eine deutsche Meisterschaft abgesagt wurde.“  (Anm. das war im Januar 2007)
 
Nicole Fessel:
„Das war ganz schön krass heute, Regen haben wir schon immer gehabt, aber so mit dem Wind noch nicht. Es war schon schwierig. Ich habe gedacht, von den Bedingungen vom Schnee her, haben sie es so richtig gut hingekriegt. Aber ich habe im zweiten Anstieg eine Böe erwischt und bin danach mehr rückwärts gelaufen als vorwärts. Die Entscheidung, abzusagen war richtig. Durch die Bedingungen sind doch viele Sprinterinnen hinten im Klassement gewesen.“
 
 
Sebastian Eisenlauer:
„Ich bin sehr enttäuscht, wäre gern gelaufen, weil die Strecke mir liegt und ich hier meine besten Ergebnisse gemacht habe. Ich habe mich richtig drauf gefreut und es stehen ja nicht mehr massenhaft Chancen an, sich für Olympia zu empfehlen. Das tut ganz schön weh. Dass die Absage richtig war, darüber muss man nicht lange nachdenken, wenn man gesehen hat, was da abgegangen ist. Da wurden Bäume entwurzelt und es hätte passieren können, dass Athleten, Zuschauer oder Helfer hätten verletzt werden können. Da muss man an die Sicherheit denken, auch wenn es megabitter ist.“
 
Dr. Peter Kruijer, Vorsitzender Skiclub Oberstdorf:
„Es war eine verantwortungsvolle Entscheidung der Jury. Letztlich war es schon sehr gefährlich, da muss man unsere Helfer und natürlich auch die Läufer schützen, keine Frage. Wie es morgen weitergeht, wissen wir noch nicht. Wir schauen uns die Wetterprognosen jetzt natürlich ganz genau an.“